Nach Jahren der Sinnsuche fand der Priester Vinzenz von Paul Anfang des 17. Jh. im Dienst am Nächsten seine wahre Berufung. Als Mensch, der an keiner Not tatenlos vorbeigehen konnte und der es verstanden hat, andere für seine Sache zu gewinnen, stand er der von Krieg, Seuchen und Hungersnöten gepeinigten französischen Bevölkerung bei. Er organisierte Volksküchen, nahm sich der Pflege und Versorgung von Kranken, Notleidenden, Bettlern, Galeerensträflingen sowie der Betreuung und Erziehung von Findelkindern an. Neben der materiellen und leiblichen Unterstützung lag ihm auch die geistige und geistliche Hilfe sehr am Herzen.

Zusammen mit Luise von Marillac gründete er die erste religiöse Frauengemeinschaft, die nicht hinter Klostermauern lebte. Luise nahm am 29. November 1633 die ersten jungen Frauen in ihrer Wohnung auf, um sie auszubilden für ihren Dienst, dort zu helfen, wo die Not am größten war.

Der Ursprung unserer Gemeinschaft geht auf ein Hilfegesuch der Stadt Schwäbisch Gmünd zurück. Dorthin wurden 1852 vier Schwestern der barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul aus Straßburg entliehen, um den desolaten Zuständen in den Spitälern der Stadt ein Ende zu setzen.

Diese gründeten sechs Jahre später mit der Unterstützung von Bischof Lipp ein eigenes Mutterhaus in Gmünd. Dieses war schon bald zu klein, denn die Gemeinschaft wuchs so rasant wie ihre Aufgaben.

Mehr Platz bot das ehemalige Schlossgut der Herren von Speth in Untermarchtal. Mit der Übersiedlung 1891 erhielt die Gemeinschaft im Mutterhaus in Untermarchtal einen neuen geistigen Mittelpunkt, ein sichtbares Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit, einen Ort der Begegnung.