Vinzent von Paul war ein französischer Priester, der im 17. Jahrhundert lebte. Er war ein bedeutender Heiliger der katholischen Kirche und ist vor allem für seine Arbeit im Bereich der Nächstenliebe und der karitativen Dienste bekannt. Er erkannte die Notwendigkeit einer systematischen Organisation und Professionalisierung der karitativen Arbeit.
1625
Gründung der Gemeinschaft der Missionspriester, auch Vinzentiner oder Lazaristen genannt, durch Vinzenz von Paul
seit 1617: Gründung der Caritasvereine in Frankreich
VINZENZ VON PAUL –
EIN „MYSTIKER DER TAT“
* 24.04.1581 in Pouy, Frankreich
† 27.09.1660 in Paris
Gedenktag: 27. September
„Gott hat uns zu Helfern seiner unendlichen Vaterliebe erwählt. Er will, dass diese Liebe sich in der ganzen Welt ausbreitet und um sich greift.“
Vinzenz von Paul ist in eine Zeit hinein geboren, die von Kriegen, Hungersnöten und Seuchen geprägt ist. Obwohl er Theologie studiert, geht es dem begabten Bauernsohn weder um Glaube noch um Berufung, sondern schlicht um einen Beruf und die Zukunft seiner Familie. Denn als Priester oder vielleicht sogar als Bischof besäße er genügend Geld, dass er und seine Familie in Wohlstand leben könnten.
Mit 19 Jahren wird Vinzenz zum Priester geweiht und glaubt, damit seinem Ziel ganz nahe zu sein. Seine Jagd nach Reichtum lässt ihn für einen Schuldschein auf eine Schiffsreise gehen. Das Schiff wird überfallen und Vinzenz auf dem Sklavenmarkt in Tunis verkauft. Erst nach zweijährigem Sklavendienst erhält er seine Freiheit zurück.
Es geht ihm nicht gut, schwere Glaubenszweifel quälen ihn. Als Hauslehrer bei der Familie de Gondi ist er von Luxus umgeben. Gleichzeitig begegnen ihm oft arme, am Rande der Gesellschaft lebende Menschen. Vinzenz spürt in seinem Herzen, dass es sein Weg ist, sich um diese Armen zu kümmern.
Sein Glaube an Gott – neu, lebendig, tiefer denn je – trägt ihn und er beschließt, sein ganzes Leben in den Dienst dieser Menschen zu stellen, die keine Chance auf ein würdiges Leben haben. Christus selbst, so sagt er, begegnet ihm in jedem armen Menschen. Vinzenz hilft nicht nur materiell: Er beginnt, den Menschen von Gott, von seiner „unendlich erfinderischen Liebe“ zu erzählen. Viele Priester sind von seinem Beispiel begeistert und schließen sich ihm an. Später, als Pfarrer in Châtillon-les-Dombes, erfährt er vor der Messe von einer armen und kranken Familie, die nichts zum Essen hat. Leidenschaftlich bittet Vinzenz in seiner Predigt die Menschen um Hilfe und löst damit eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft aus, die es zu organisieren gilt. Der erste Caritasverein entsteht. Die Liebe Christi drängt Vinzenz zu handeln.
1625 gründet er die Gemeinschaft der Vinzentiner oder Lazaristen, wie sie auch genannt werden, 1633 – zusammen mit Luise von Marillac – die Barmherzigen Schwestern. Aus Liebe zu Gott und den Menschen helfen Priester, Schwestern und viele weitere Mitarbeiter Kranken, Alten, Findelkindern, Bettlern, Gefangenen und nach Orientierung suchenden Menschen – damals wie heute. 1737 wird Vinzenz heilig gesprochen, seit 1885 ist er der Patron aller Vereinigungen christlicher Barmherzigkeit.
1633
Gründung der ersten sozial-caritativen Frauengemeinschaft durch Vinzenz von Paul und Luise von Marillac in Paris
Das Revolutionäre dieser Gründung ist, dass die Vinzentinerinnen nicht hinter Klostermauern leben.
LUISE VON MARILLAC –
„DEN MENSCHEN ZULIEBE“
* 12.8.1591 in Paris
† 15.3.1660 in Paris
Gedenktag: 9. Mai
„Es tut doch gut, zu erleben, dass durch dein Tun die Welt menschlicher wird!“
Als Luise am 12. August 1591 geboren wird, ist ihr Vater Louis de Marillac schon drei Jahre Witwer. Über ihre Mutter ist nichts bekannt. Ihr Vater nimmt sie zu sich. Doch als er zum zweiten Mal heiratet, gibt er seine vier Jahre alte Tochter zur Erziehung nach Poissy, später in ein Pensionat nach Paris. Luise erhält eine hervorragende Ausbildung.
Mit 16 Jahren fühlt sie sich zu einem Ordensleben berufen und gelobt in den Orden der Kapuzinerinnen einzutreten. Wegen ihrer schwachen Gesundheit wird sie nicht aufgenommen. Das ist sehr bitter für sie. Luise heiratet mit 22 Jahren den Sekretär der Königin Maria de Medici, wird Mutter eines Sohnes. Nach 10 Jahren Ehe erkrankt ihr Mann schwer. Sie wird depressiv und leidet unter schweren Glaubenszweifeln.
Am Pfingstfest 1623 ändert sich plötzlich alles. Während der heiligen Messe spürt sie in ihrem Herzen einen großen Frieden: ihr Glaube wird gefestigt. Sie erkennt, dass sie sich eines Tages durch Gelübde Gott weihen wird, um den Armen zu dienen. Liebevoll pflegt Luise ihren Mann bis zu dessen Tod. Wenige Monate später lernt sie den Priester Vinzenz von Paul kennen und ihn als ihren geistlichen Begleiter schätzen. Unter seinem Einfluss entfaltet sich ihre Berufung.
Sie besucht die von ihm gegründeten Caritas-Bruderschaften. Die Schwierigkeiten, die sie dabei antrifft, überzeugen sie, dass es eine Gemeinschaft braucht, die sich in den Dienst der Armen stellt. 1633 nimmt Luise die ersten Mädchen in ihr Haus auf, die entschlossen sind, miteinander zu leben und sich dieser Aufgabe zu stellen. So entstehen die „Filles de la Charité“, die Barmherzigen Schwestern. Zusammen mit Vinzenz von Paul begleitet, unterstützt und organisiert sie diese neue Gemeinschaft ohne Klausur. Luise von Marillac und ihre Schwestern wenden sich den notleidenden Menschen zu: Kranken in den Spitälern oder zu Hause, den Flüchtlingen, den Gefangenen, den Verlassenen, den von der Gesellschaft ausgestoßenen Findelkindern, den Analphabeten, den alten Menschen und den psychisch Kranken. Luise ist davon überzeugt, in diesen „Armen“ Christus zu dienen, gemäß seinem Wort: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Ihr Lebensmotto „Die Liebe Christi, des Gekreuzigten, drängt uns!“ ist für sie der Weg, der sie ins Leben führt. Luise von Marillac stirbt am 15. März 1660. Sie wird 1934 heilig gesprochen und 1960 zur Patronin aller in der Sozialarbeit tätigen Menschen erklärt.
1734
Gründung der Barmherzigen Schwestern von Straßburg
In Saverne beginnen sechs Schwestern ihren Dienst im Spital.
Die erste sozial-caritative Gemeinschaft wird rasch zu einem Erfolgsmodell.
1852
Geburtsstunde unserer Gemeinschaft in Schwäbisch Gmünd
Im Hl. Geist Spital von Schwäbisch Gmünd ist die Not groß.
Deshalb bittet man um die Entsendung von Barmherzigen Schwestern aus Straßburg.
Vier Schwestern nehmen im Jahr 1852 ihren Dienst auf.
1858
Gründung des Mutterhauses in Schwäbisch Gmünd
Zum Zeitpunkt der Gründung des Mutterhauses zählen bereits 54 Schwestern zur Gemeinschaft.
„Beim Einzug hatten wir 2 Gulden, 17 Kreuzer und ein leeres Haus. Es gab nur ein vollständiges Bett. Zur ganzen Ausstattung zählte ein Tisch und vier Stühle. Jeder Raum und jedes Zimmer schaute dem Eintretenden leer entgegen.“
Chronik der Gemeinschaft
1891
Umzug des Mutterhauses nach Untermarchtal
Die Gemeinschaft breitet sich in der ganzen Diözese Rottenburg aus.
Die Gemeinschaft und ihre Aufgaben wachsen schnell, so dass das Mutterhaus zu klein wird.
Mehr Platz für die große Gemeinschaft bietet das Schlossgut der Herren von Speth in Untermarchtal, das den Schwestern zur Verfügung gestellt wird.
1960
Aussendung der ersten Schwestern nach Tansania
1960 werden vier Schwestern für die Tätigkeit in Tansania ausgewählt.
Sie beginnen am 1. Oktober mit einer kleinen Station in Maguu.
Dort betreiben sie eine Krankenstation mit Entbindungsstation und setzen sich für die Bildung der Frauen ein.
1970
Gründung der Föderation Vinzentinischer Gemeinschaften
Einige der Gemeinschaften, die von Straßburg aus gegründet wurden,
schließen sich zu einer Föderation zusammen.
Damit folgen sie einer Anregung des 2. Vatikanischen Konzils.
2007
Gründung der Gemeinschaft in Äthiopien
Die ersten äthiopischen Schwestern legen nach ihrer Ordensausbildung in Mbinga ihre Profess in Nekemte ab.